Massiv Steuern sparen durch Minimalismus

Dem Normalverbraucher ist gar nicht bewusst wieviel Steuern er tatsächlich bezahlt. Und hier spreche ich nicht einfach nur von den Lohnsteuerabgaben.

Nehmen wir einmal an wir hätten einen durchschnittlichen Arbeitnehmer Max. Max verdient 40.000 € brutto im Jahr als angestellter Kaufmann. Er ist nicht verheiratet und nicht in der Kirche.

Damit hat er als Single ein Nettogehalt von rund 2.108 € im Monat (2020). Die Lohnsteuer und der Solidaritätszuschlag nehmen ihm nur 518,70 € von seinem hart verdienten Lohn. Das sind rund 15,5 %.

Also eigentlich gar nicht so viel, würde man da sagen. Klar, die restlichen Sozialabgaben schmälern sein Nettogehalt tatsächlich nochmal stark. Aber dafür ist er ja auch gegen Arbeitslosigkeit und Krankheit abgesichert und erhält hoffentlich irgendwann mal Rente.

Also 15,5% Steuerbelastung, das ist akzeptabel.

Auf den ersten Blick.

In Deutschland haben wir nämlich ein Steuersystem, das die Steuerlast fast zu hundert Prozent auf den Konsum packt. Wirtschaftspolitisch ist das auch absolut vertretbar. Grob gesehen hat der Staat drei Ansatzmöglichkeiten sich zu finanzieren.

Entweder er besteuert das Einkommen oder er besteuert das Vermögen oder er besteuert den privaten Konsum.

Wenn man sich vorstellt, dass Geld sich wie Regenwasser (Einkommen) in der Regenrinne sammelt, um dann in eine große Tonne (Vermögen) geleitet zu werden, aus der man bei Bedarf Wasser zum Gießen entnehmen kann (Konsum), dann macht es absolut Sinn die Besteuerung hauptsächlich beim Konsum anzusetzen. Denn so hat jeder Bürger die Möglichkeit selbst so viel Wasser zum Gießen zu benutzen, wie er möchte oder die Tonne auch randvoll zu lassen. Ein gutes Prinzip für eine freiheitliche Demokratie.

Das Problem ist nur, dass die meisten Tonnen 24/7 ein vollständig aufgedrehtes Ablassventil haben.

Wie haben ein progressives Steueranstoßsystem für die Einkommensteuer in Deutschland. Anstoß bedeutet, es gibt Einkommensgrenzen, ab der jeder Euro, der mehr verdient wird, anders besteuert wird. Progressiv heißt die Steuersätze steigen an. Und das führt zu einer deutlich niedrigeren Durchschnittsbelastung als der Spitzensteuersatz von 45 %. Somit haben die meisten Deutschen eine recht geringe durchschnittliche Besteuerung Ihres Einkommens.

Massiv besteuert wird aber der Konsum.

Da ist einmal die Umsatzsteuer von 19%. Und dazu gibt es auch noch unzählige kleine Spezialsteuern, wie die Biersteuer, die Tabaksteuer, die Branntweinsteuer, die Energiesteuern und die Vergnügungsteuern, die alle vom Verbraucher mitbezahlt werden. Von den ganzen kommunalen Abgaben, wie Bettensteuer und Kurtaxe gar nicht zu sprechen.

Und dann bezahlt der Konsument ja aber nicht nur diese Konsumsteuern. Nein, in jedem Preis steckt mindestens ein Unternehmergewinn. Und in diesem Gewinn preist der Unternehmer selbstverständlich auch seine betrieblichen & privaten Steuern mit ein.

Also trägt der Konsument dazu noch die Gewerbesteuer, die Körperschaftsteuer (bzw. Einkommensteuer des Unternehmers), den Solidaritätszuschlag und die Lohnsteuer für alle Angestellten, die auf dem Weg zum Produkt bezahlt wurden.

Das wars?

Nein, denn die meisten Produkte und Dienstleistungen werde ja nicht nur von einem einzelnen Unternehmer erbracht. Sondern es liegen vielmehr Lieferanten- und Produzentenketten vor, in denen jeder Unternehmer seine Kosten und den Gewinn inklusive aller betrieblichen Steuern einpreist.

Ein Premium Kaffee für Max

Stellen wir uns mal vor Max holt sich an einem kalten Wintertag eine Spiced Caramel Pumpkin Premium Latte bei Starbucks für 8,10 €. Das gönnt er sich mal. Und nehmen wir auch an, Starbucks würde (nicht in Irland, sondern) ganz gewöhnlich seine Körperschaftsteuern in Deutschland zahlen und regionalen Kaffee einkaufen. Wieviel Steuern zahlt Max mit seinem Premium-Heißgetränk?

Zuerst natürlich die Umsatzsteuer:

19% in den 8,10 € sind ~1,30 €.

Von dem was übrig bleibt werden Löhne, Kaffee, Milch, Strom, Wasser und alle anderen Kosten bezahlt. Drin stecken natürlich auch rund 15% Gewinn vor Steuern. Starbucks ist ja kein Samariterverein.

2,00 € für die Zutaten, vielleicht 2,50 € für die Löhne, 1,28 € für die Energiekosten. Und dann bleiben noch 1,02 € an Vorsteuergewinn übrig.

In den Zutaten selbst stecken zumindest 20% Gewinn der Produzenten, Zölle, Löhne und Energiesteuern. Macht mit rund 30% Steueranteil davon etwa 0,12 € Steuern.

Die Löhne sind auch mit wahrscheinlich mindestens 25 % Steuern belastet, also 0,62 €.

Strom und Wasserkosten sind auch extrem mit Stromsteuer belastet und enthalten Lohnanteile inklusive Lohnsteuer. Damit wären wir bei mindestens 46 % Steueranteil auf die Energiekosten und sonstigen Nebenkosten. Damit stecken 0,59 € Steueranteil hier drin.

Dann haben wir natürlich noch den Gewinn. Gewinne von AGs und GmbHs werden mit 15% Körperschaftsteuer, rund 14% Gewerbesteuer und etwas Soli belastet. Damit fallen rund 30% Steuern darauf an. Macht 0,31 € an Steuern.

Und natürlich schüttet Starbucks seine Gewinne auch irgendwann aus. Bei 50% Gewinnausschüttungsquote auf den verbleibenden Gewinn von 0,71 € führt das zu einer Kapitalertragsteuer mit Soli (26,375%) von 0,09 € auf die Dividenden.

Ok, viele viele Zahlen. Rechnen wir das mal zusammen.

  • Umsatzsteuer: 1,30 €
  • Steuern auf Löhne: 0,62 €
  • Steuern & Abgaben auf Energie: 0,59 €
  • Steuern auf den Gewinn: 0,31 €
  • Steuern auf die Dividenden: 0,09 €

~> Gesamtsteueranteil im Kaffee: 2,91 €

Auf die Latte fallen also rund 35,92% Steuern an (2,91 € von 8,10€). Und da haben wir noch gar nicht von Steueranteilen für Grundsteuer, Versicherungssteuer und den Steueranteilen der bezahlten Verwaltungskosten etc. angefangen.

35,92% Steuern auf eine Latte. Das ist schonmal stattlich. Jetzt hat Max das Geld, mit dem er den Kaffee bezahlt, ja aber schonmal versteuert. Auf die 8,10 € zum Ausgeben hat er bereits 15,5% Lohnsteuer etc. bezahlt. Inklusive der Lohnsteuer hat Max also 9,58 € für die Latte ausgegeben (8,10 € / (1-0,155)).

Damit sind wir bei einer tatsächlichen Steuerlast von 45,82%.

Denn:

  • Steuern im Lohn von 9,58 €: 1,48 €
  • Steuern im Kaffee: 3,01 €

~> Steuerlast im Gesamten: 4,39 €.

4,39 € auf 9,58 € ergibt 45,82%.

 

Wow, das ist bitter.

Jetzt nehmen wir mal an unser Max gibt alles, was an Nettolohn reinkommt, auch aus. Und in jeder Ausgabe stecken rund 36% Steuern wie im Premium Kaffee.

Dann bezahlt Max im Jahr inklusive seiner Lohnsteuer ~ 15.300,00 € an Steuern. Fast 40% seines Bruttogehalts, das nur für Steuern an den Staat geht.

Absoluter Irrsinn!

Und was machen wir jetzt dagegen?

 

Knallharter Minimalismus als Bollwerk für das Vermögen

Wenn wir ehrlich zu uns sind, dann macht uns 95% des Konsums gar nicht glücklich.

Man muss nicht schlecht gemixte 12 € – Cocktails im Nachtclub trinken, wenn es tatsächlich auf die gute Zeit mit den Freunden ankommt.

Und man braucht auch keinen dicken Mercedes, mit dem man jeden Tag eine Stunde im Stop and Go zur Arbeit und zurück (fast) Schrittgeschwindigkeit fährt und dabei Wutanfälle bekommt.

Und 110 qm Wohnfläche ist nett, aber eigentlich viel zu viel Platz, weswegen man nur unnötigen Schrott anschafft, um den Raum zu füllen. Und irgendwie ist das auch ganz schön viel Raum zum Putzen.

Und dafür dann jeden Tag hart arbeiten.

Unser Konsum nimmt uns die Freiheit. Denn Freiheit bedeutet eine Vielzahl an Möglichkeiten zu haben. Viele Möglichkeiten hat, wer Geld hat. Und das Geld verprassen wir mit Konsum. Und davon geht die Hälfte durch Steuern an den Staat.

Konsum frisst Freiheit.

Aber wir sind selbst schuld, denn wir haben ja eine andere Wahl.

Drehen wir das Ablassventil zu und holen wir uns einen 15.000–Liter–Tank statt einer Regentonne.

Maßnahmen für mehr Glück, Zeit & Gesundheit = Maßnahmen für weniger Konsum und Steuern

Das Auto verkaufen und Fahrrad fahren

Wie wäre es damit, das Auto zu verkaufen und nur Fahrrad zu fahren. Damit spart man Umsatzsteuer, Benzinsteuer, Lohnsteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer,… Und nicht nur indem man nicht mehr tanken muss. Es fallen auch Reparaturen und Wartungen weg.

Stattdessen kauft man ein Fahrrad gebraucht von Privatperson. Privatverkäufe sind mangels Unternehmereigenschaft des Verkäufers (§ 2 UStG) nie umsatzsteuerbelastet. Und mangels Gewerblichkeit (§ 15 Abs. 2 EStG) bezahlen wir auch keine Ertragsteuern auf den Gewinn des Verkäufers mit. Wenn er überhaupt Gewinn macht.

Alle Versicherungen kündigen

Die Deutschen sind überversichert. Versicherungen sollten nur dafür sein, dass man nachts gut schlafen kann, weil die Angst einen sonst wach hält.

Wer seine Versicherungen auf das notwendige reduziert, spart sich alle Betriebssteuern der Versicherungsgesellschaft, die Versicherungssteuer von 19% und die Einkommensteuer und die Gewerbesteuer auf die Boni des Versicherungsmaklers.

Kleiner Wohnen und zwar zur Miete

Kein Haus zu besitzen und stattdessen eine Wohnung zu mieten, die so klein wie möglich ist, erspart einem nicht nur einen Großteil der Grundsteuer, der Grunderwerbsteuer und der Feuerschutzsteuer, sondern auch alle Steuern, die in den Heizungskosten und Stromkosten stecken.

Und hey, man sollte sowieso mehr raus an die frische Luft gehen und draußen Sport machen. Eine kleine Wohnung zum Schlafen und Kochen reicht vollkommen aus.

Und wenn wir gerade dabei sind…

Insourcing statt Outsourcing

Fremde Dienstleister zu bezahlen ist teuer. Denn man bezahlt fürs Outsourcen genauso einen Batzen Steuern wie bei allen anderen Produkten. Und dabei ist es egal, ob man mehrmals die Woche auswärts essen geht, einen Yufka vom Kebapverkäufer seines Vertrauens holt oder den Sanitärtechniker kommen lässt, weil der Abfluss verstopft ist.

Steuerfrei dagegen ist alles, was man selbst macht. Und je mehr man selbst kocht, baut, repariert und bastelt, desto besser wird man und desto stolzer ist man auf das Ergebnis.

Die Folge ist Selbstbewusstsein und ein Repertoire an Fähigkeiten, das ständig größer wird und einen unabhängiger macht.

Umsatzsteuerlich gilt, dass „Luxusprodukte“ mit 19% besteuert werden sollen. Essentielle Produkte aber nur mit 7%. Wer selbst kocht und baut, spart sich also unter Umständen auch noch 12% Umsatzsteuer extra. Von den ganzen anderen Steuern auf Gewinn, Lohn und Energie gar nicht zu sprechen.

Fitnessstudio kündigen und Bier im Park trinken statt Cocktails im Club

Für effizientes Krafttraining braucht man nicht mehr als sein eigenes Körpergewicht und ein paar gebrauchte Hanteln von eBay. Joggen im Wald ist auch viel schöner als auf dem Laufband einen Bildschirm anzustarren.

Und von den gesparten Steuern auf den Fitnessstudiobeitrag und Fahrtkosten zum Studio kann man mit seinen Freunden auch mal ein paar Bier trinken in der Sonne im Park. Und sich damit die Steuern auf den Lohn des Kellners und den Gewinn des Gastronomen sparen.

Und für all diese Maßnahmen braucht es nur eine kleine Angewohnheit, um sie umzusetzen.

In dem Moment, in dem der Wunsch aufkommt, Geld auszugeben, muss man nur abwarten und sich fragen: „Macht mich das langfristig glücklicher, als wenn ich das Geld spare?“.

Und wenn man nach einem Monat warten immer noch den Wunsch verspürt eine Sache zu kaufen oder für diese eine Dienstleistung Geld auszugeben, dann sollte man nachgeben. Denn anscheinend ist es einem dann echt wichtig.

Aber in 99% der Fälle spart man sich nicht nur die Steuern auf die Ausgabe.

Investieren statt konsumieren

Was machen wir jetzt mit dem Schwimmbecken voller Geld?

Wenn man seine Ausgaben dann halbiert hat, darf das Geld natürlich nicht nutzlos herumliegen und durch die Inflation an Wert verlieren. Nein, man muss es arbeiten lassen. Denn dein Geld kann noch viel härter arbeiten, als du es jemals könntest.

Wir leben in einer Zeit, in der es so einfach ist wie nie, sich finanziell kostenlos zu bilden. Unzählige Finanzblogs, Youtubekanäle und Bücher aus der Bibliothek geben einem das Rüstzeug an die Hand.

Dazu braucht man auch keine Finanzmakler oder Vermögensberater, deren Einkommensteuern man nur mitbezahlt, indem man sich „beraten“ lässt. Es reicht schon ein einfacher physisch replizierender ausschüttender Exchange Traded Fund auf die Weltwirtschaft. Ganz langweilig. Denn dort fällt auf den Wertzuwachs keine Steuer an, solang man nicht verkauft. Und die Dividenden werden maximal mit 25% plus Soli besteuert.

Produzieren statt Konsumieren

Oder man optimiert seine Steuern noch effizienter, indem man Teil der Kette wird und sich nebenberuflich selbstständig macht. Denn als Unternehmer kann man sich die Kontrolle über seine Steuern zurückholen, private Ausgaben steuerlich geltend machen und in der richtigen Rechtsform auch mit einem Einkommen von über 100.000 € deutlich weniger Steuern als 15,5% bezahlen.

Also holen wir uns die Kontrolle zurück.

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