Mehr ist selten besser. Besonders, wenn es um die Unternehmensstruktur geht.
Hier ist eine Anleitung zu dauernden Kopfschmerzen, wie man möglichst effizient den Überblick verliert und seinen Steuerberater gute Umsätze verschafft.
Vor kurzem kam ein Unternehmer zu mir, der schon seit über zwanzig Jahren am Markt ist. Seine Bitte war seine Firmenstruktur zu verschlanken.
Eine Analyse seiner Situation ergab ein Bild, das mich überrascht hat:
- eine Holding-GmbH
- eine vermögensverwaltende Immobilien-GmbH
- drei operative GmbHs
- elf GmbH & Co. KGs, die über vier Komplementär-GmbHs (eine davon ein operatives Unternehmen) verbunden waren
- eine Grundstücks-GbR
19 Unternehmen. Fast alle teilweise miteinander verbunden oder nebeneinanderstehend. Und fast alle mit ähnlichen Unternehmenszweck.
Nüchtern betrachtet hätten auch acht Stück ausgereicht.
Die Konsequenz dieses Wildwuchses waren jedes Jahr 19 Bilanzen und Steuererklärungspakete, die erstellt werden müssen, was Jahr für Jahr rund 77.000 Euro an Steuerberatungskosten produziert. Bezogen auf den Gewinn der Unternehmensgruppe fast 10 %.
Mit deutlich weniger Firmen wären nur 25.000 Euro an Kosten pro Jahr angefallen. 52.000 Euro pro Jahr an Geld, was beim eigenen Vermögensaufbau fehlt.
Die versteckten Auswirkungen waren aber noch viel schlimmer.
Jede der 19 Firmen hat mindestens ein Bankkonto, auf dem einige zehntausend Euro „als Reserve“ liegen. Das bedeutet in meinem Fall ganz praktisch über 200.000 Euro an Bankguthaben, das nicht arbeitet und Jahr für Jahr über die Inflation an Wert verliert.
Dazu kam das einzelne Firmen Verlust produzierten. Aufgrund der Struktur konnte man die aber nicht mit Gewinnen der anderen verrechnen. Damit entstand ein zusätzlicher Steuerschaden von über 40.000 Euro im Jahr.
Am schlimmsten ist aber wohl, dass mein Unternehmer aufgrund der vielen Gesellschaft kein klares Bild mehr hatte, wie es um seine Firmengruppe steht. Sich einen wirklichen Überblick zu verschaffen ist fast unmöglich.
Wir haben also angefangen und versucht aufzuräumen – mit leider mäßigem Erfolg. Denn so gewachsene Struktur können oft nur schwer vereinfacht werden. Und wenn dann löst das fast immer enorme Steuern (wie Grunderwerbsteuern) oder sehr hohe Beratungskosten aus.
In meiner Praxis sehe ich dieses Problem immer mal wieder. Man wächst als Unternehmer und macht einfach – mal mit und mal ohne Rechtsrat. Am Ende hat man eine Struktur, die eigentlich nicht zum Unternehmen passt.
Am besten wäre gewesen, man hätte die Dinge von Anfang an so einfach wie möglich gehalten. Später ist es zu teuer oder rechtlich unmöglich etwas zu ändern.
Und eine Frage bleibt: Was passiert mit diesem Geflecht, wenn der Inhaber irgendwann in den Ruhestand geht oder sein Lebenswerk in die nächste Generation geben möchte?
