Mein Wecker klingelt. Es ist Samstag früh um 7:00 Uhr im August 2014. Ich springe aus dem Bett und greife zur Arbeitskleidung, die ich mir am Abend zuvor bereitgelegt habe – eine dünne Wanderhose, ein atmungsaktives T-Shirt und eine Softshellweste. Alles in schwarz mit einem großen grünen Logo auf dem Rücken und den Oberschenkeln.
Seit einigen Monaten arbeite ich an meinen Wochenenden als Guide in der Hirschgrund Zipline Area und führe dort Gruppen von acht Personen durch den Schwarzwald.
Zuerst den Berg hinauf. Dann oben angekommen geht es auf Holz-Plattformen, die um Bäume gespannt sind und an denen lange Stahlseile hängen, die bis auf die andere Talseite führen. Meine Aufgabe ist es alle Gäste nacheinander an Seilrollen in 60 Meter Höhe wohlbehalten auf die andere Seite fahren zu lassen. Sieben solcher Bahnen gibt es.
Zwischendurch wandern wir durch unberührte Natur, umgeben von Laubbäumen, Fichten und Tannen. Nach drei Stunden kommen wir wieder am Startpunkt an und die nächste Gruppe wartet schon.
Jeder Tag Arbeit dort war reinste Erholung – eine Kombination aus Wandern, Natur, Gesprächen mit gutgelaunten Menschen, Stille und keinem Handyempfang.
Nach einer Tasse schwarzem Kaffee steige ich in meinen kleinen blauen Peugeot und fahre los. Kurz lasse ich mir noch einmal die Anweisungen durch den Kopf gehen, die mir das Büro zu den heutigen Touren und Gruppen mitgegeben hat. Bei der ersten Gruppe sei anscheinend ein besonderer Gast dabei, auf den ich besonders aufpassen soll. Ich bin gespannt.
Keine 30 Minuten später biege ich in das Seitental im Schwarzwald ein. Eine enge Straße windet sich steil den Berg hinauf. Es wird dunkler und dunkler, weil immer mehr große Fichten die Straße überschatten. Dann wird es hell. Das Tal lichtet sich etwas. Morgensonne lässt den Tau auf den Blättern leuchten. Ich parke und laufe durch die ruhige kühle Morgenluft zu der kleinen Hütte, an der in einer halben Stunde die Gäste eintreffen werden. Es ist still. Niemand ist da.
Aber doch: mitten auf dem Pfad liegt jemand. Völlig regungslos – wie tot. Eigentlich sollte niemand um die Uhrzeit hier sein – so weit weg vom nächsten Dorf.
Besorgt gehe ich schneller auf den Mann zu und rufe laut „Hallo, alles in Ordnung bei Ihnen?“
Der Mann springt auf und schaut mich mit großen Augen an.
Er ist alt. Seine Haut gegärbt von der Sonne und durchzogen von tiefen Furchen. Unter den buschigen Augenbrauen strahlen mich zwei eisblaue, wache Augen an.
Lieben was man tut, um nie mehr zu arbeiten
Es stellt sich heraus, dass der Mann mein besonderer Gast ist.
Er war nur etwas früher da und hat sich in der Morgensonne noch etwas ausruhen wollen. Der beste Platz dafür war eben mitten auf dem Weg.
Wir haben noch Zeit, bis die anderen Gäste ankommen und er erzählt mir seine Geschichte. 87 Jahre sei er alt. Ich hätte ihn vielleicht auf 70 geschätzt. Früher war er Raumfahrtingenieur. Er hat unter anderem für die NASA gearbeitet. Immer da wo ihn das Leben hingetrieben hat. Aber auch in Deutschland.
Aber eigentlich hat er keinen einzigen Tag in seinem Leben gearbeitet. Denn er hat jeden Tag seiner Tätigkeit geliebt. Genauso wie er jetzt auch jeden Tag liebt. Wer genießt, was er tut, für den ist kein Tag im Leben Arbeit, sondern immer nur Spiel, sagt er.
Die restlichen Gäste kommen an und ich beginne mit der Sicherheitseinweisung und meiner „Arbeit“. Nach einigen Stunden kommt die nächste Gruppe an. Irgendwann abends räume ich zusammen und fahre nach Hause. Der alte Herr geht mir aber nicht mehr aus dem Kopf.
Wofür leben wir? Hat der Herr recht? Ist es so einfach? Muss man nur seinen Beruf lieben und kein Tag mehr im Leben ist Arbeit?
Zwei Monate später fange ich im Finanzamt mein duales Studium an. Ich hasse jeden Tag.
Okay – das ist übertrieben. Jeden dritten Tag. Zwischendurch sind immer wieder Tage, an denen ich mein Schicksal einfach akzeptiere. Ab und zu gibt es sogar einen Tag, an dem ich es genieße mich mit abstrakten Konzepten und komplizierten Gesetzen auseinander zu setzen.
Das ist nun 11 Jahre her. In der Zwischenzeit hat sich viel verändert und ich habe viel gelernt. Ich liebe meine Arbeit als Steuerberater jetzt wirklich jeden Tag und fast kein Tag fühlt sich wie Arbeit an. Ich glaube das hat primär mit drei Dingen zu tun.
- Je besser man in etwas ist, desto eher wird man zufrieden.
Als Menschen sind wir Lernmaschinen und dafür gemacht zu verstehen, zu zerlegen und neu aufzubauen. Man muss das allerdings auch tatsächlich tun. Die wenigsten Dinge im Leben fallen einem einfach zu. Je mehr Stunden man aber in eine Sache investiert, desto besser wird man. Ab einem gewissen Punkt wird dann alles leichter. Abläufe gehen leicht von der Hand. Man hat genügend Erfahrung, um bessere Entscheidungen zu treffen. Zusammenhänge tauchen auf und man begreift.
Ab da fühlt sich Arbeit nicht mehr nach Arbeit an. Stattdessen kann man spielen, schaffen und hat Freude am Tun.
Die Durststrecke bis zur Expertise muss man allerdings erst überwinden – und dafür muss man leiden. Manchmal auch mehrere Jahre.
- Harte Arbeit lohnt sich, wenn man etwas aufbaut.
Jeder von uns bekommt einige Zehntausend Tage auf dieser Erde. Wenn du 80 Jahre alt wirst, sind es rund 29.200 Tage. Zum einen ist das erschreckend wenig, auf der anderen Seite ist es aber auch verdammt viel.
Warum sollten wir diese wenigen Tage vergeuden, indem wir herumsitzen und vor uns hinvegetieren? Wäre es nicht besser, wenn wir anpacken und das Leben bauen, das unseren Vorstellungen entspricht? Harte Arbeit ist dafür die Voraussetzung.
Ohne dass wir was bewegen, bewegt sich nichts. Bei den vielen Unternehmern, die ich durch meine Arbeit kennenlernen durfte, sehe ich immer eine Gemeinsamkeit.
Die zufriedenen arbeiten hart und bauen sich ihre Realität selbst. Das Resultat ist Wohlstand, Gelassenheit und Freiheit.
Und ja, dazu gehört dann auch die Freiheit in der Sonne zu sitzen, um Kaffee zu trinken, und zwar wann und wo man es will.
- Die Stoiker hatten recht.
Die alten griechischen Philosophen der Stoa haben es schon vor über 2.300 Jahren verstanden. Wir sind ein Spielball unserer Gefühle. Emotionen bestimmen unseren Alltag. Egal ob wir es realisieren oder nicht.
Das einzige Mittel, das wir dagegen haben, ist unser Geist.
Negative Gefühle kann man genau das sein lassen. Ein negatives Gefühl. Man lässt es kommen und auch wieder gehen.
Währenddessen arbeitet man weiter an der Welt, die wir uns wünschen. Mit der richtigen Portion Selbstbeherrschung von seinen Emotionen Abstand zu nehmen, schafft Gelassenheit und Seelenruhe. Als Folge stellt sich oft auch Zufriedenheit ein. Arbeit ist dann keine Arbeit mehr, sondern wieder ein ganz selbstverständlicher Teil des Lebens.
Rückblickend ist meine Zeit im Finanzamt damit das beste, was mir passieren konnte. Denn nur dadurch habe ich diese drei Wahrheiten für mich lernen können.
Der Weg dahin war aber lang und hart.
Leben wie ein Mönch, um nie mehr zu arbeiten
Kurz nach meinem Studium, als frisch gebackener und fertiger Finanzbeamter hatte sich meine Situation noch nicht verbessert.
Die Mehrzahl meiner Tage auf dieser Arbeit im Amt war immer noch ein Kampf mit mir selbst. Den einzigen Lichtblick habe ich im Sommerurlaub gesehen. Mit meinem guten Freund Till waren wir in den Dolomiten wandern. Till hatte noch einen anderen Freund mitgebracht, der mir etwas suspekt war. Dieser Karl war ein typischer Alternativo.
Er hatte eine Ausbildung in einem sozialen Beruf gemacht und sich vor ein paar Monaten aus dem „System“ verabschiedet und lebte jetzt in einem umgebauten Ford Transit Kastenwagen. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit einem Minijob beim Roten Kreuz. Die paar Hundert Euro im Monat reichten aus, weil er die Kosten in seinem Alltag auf ein absolutes Minimum reduziert hatte. Sein „Haus“ hatte er zu unserem Urlaub auch gleich mitgebracht. Sein selbstgebauter schwarze Camper stand neben dem Volkswagen Multivan von Till, in dem wir übernachteten.
Während wir wandern waren und uns dabei unterhielten, wurde mir der Kerl zunehmend unsympathischer.
Sein „alternatives“ Gerede kollidierte mit allem, aus dem mein Leben zu diesem Zeitpunkt bestand. Er sprach von „der Ausbeuterei des Kapitalismus“, „wie sich die Eliten die Taschen vollmachen“ und „uns ausnutzen“ und, „dass das System zum Scheitern verurteilt sei“. Irgendwann blendete ich sein Geschwafel einfach aus.
Auf dem Gipfel angekommen, saß ich neben Till und klagte ihm mein Leid. Ich erzählte wie unzufrieden ich in meinem Job war und dass ich im Finanzamt nicht mehr arbeiten will – aber eben doch muss. Denn wie soll ich sonst mein Leben finanzieren. Das Beamtentum aufzugeben, hat ja auch so viele Nachteile.
Da grätschte Karl mit seiner kratzigen Stimme dazwischen und sagte: „Das musst du doch gar nicht. Du musst doch gar nicht arbeiten. Du brauchst doch gar nichts zum Leben. Leben tut man auch ohne Arbeit.“
In dem Moment dachte ich nur: „Dieser Hippie in seinem selbstgebauten Camper… was weiß der schon…“
Mittlerweile muss ich aber ehrlich zugeben. Der Mann hatte Recht. Vielleicht nicht ganz so in der Form wie er es sich vorgestellt hat und dem linken Gerede kann ich immer noch nichts abgewinnen. Aber: Wer wie ein Mönch lebt, der braucht auch keine Arbeit.
Seine privaten Ausgaben auf das absolute Minimum zu senken – oder sogar auf Null – ist eine kraftvolle Strategie, um Vermögen, Sicherheit und Flexibilität zu schaffen. Denn wer sehr geringe Ausgaben hat, kann unliebsamen Kunden jederzeit kündigen, nur so viel arbeiten wie er will und auch unerwartete Umsatzschwankungen oder Krisen machen ihm schlicht nichts aus.
Inzwischen bewundere ich Menschen, die auf kreativen Wegen oder mit ganz einfacher Bescheidenheit ihre Alltagskosten auf unter 1.000 Euro pro Monat gedrückt haben.
Einige meiner besten Freunde leben in wunderschönen selbstgebauten Tinyhäusern und brauchen nur 500 Euro im Monat. Einige der erfolgreichsten Multimillionäre aus meinem Mandantenkreis brauchen nicht mehr als 2.000 Euro im Monat, weil sie bodenständig leben und wissen, was sie zufrieden macht.
Vermögen, aus dessen Erträgen das Leben bezahlt wird
Aber auch das absolute Gegenteil ist möglich.
Schauen wir dafür auf Alfred. Alfred ist ein Herr in seinen Sechzigern, den ich über Umwege vor rund 12 Jahren kennenlernen durfte. Früher hatte er ein kleines Unternehmen, das spezialisiert auf die Restauration von denkmalgeschützten Fenstern war. Über die Jahre hatte er immer wieder Immobilien gekauft, aufgewertet und vermietet. Und auch an der Börse hat er beständig investiert.
Heute ist er Privatier.
Er wohnt in einem schönen Haus im Großraum Stuttgart. Er hat einen kleinen feinen Fuhrpark an gepflegten Autos. Er fährt unter anderem einen schwarzen Jeep und als er sich einen zweiten Jeep des gleichen Modells nochmals in Gelb gekauft hat – weil er eben Lust draufhatte – hat er den Nachbarn erzählt, dass er das Auto nur folieren lassen hat. Die gingen ihm nämlich mit ihren neugierigen Fragen auf die Nerven.
Dazu besitzt er eine Segelyacht auf dem Bodensee. Vor einiger Zeit hat er ein Ferienhaus auf Madeira gekauft, um den dunklen Wintermonaten in Deutschland zu entfliehen.
Und als er sich vor kurzem noch einen Lamborghini gekauft hatte, meinte er zu mir, dass das wohl eine dumme Impulsentscheidung war. Das Auto passe ja gar nicht zu ihm. Aber er ist schuldenfrei und bezahlt alles in bar – also, was solls. Vielleicht verkauft er das Auto wieder.
Alfred hat so viel Vermögen, dass die laufenden Erträge seine Lebenshaltungskosten bei Weitem übersteigen. Die Rechnung dahinter ist einfach.
Wenn man davon ausgeht, dass eine konservative Investition mindestens 4 % pro Jahre an Rendite abwirft, dann muss man seine jährlichen Lebenshaltungskosten nur durch diese 4 % teilen.
Das Ergebnis ist der Betrag an notwendigen investierten Vermögen, den man durch beständiges Investieren aufbauen muss, um nie mehr arbeiten zu müssen.
Klar ist dabei auch: Je höher die eigenen Einnahmen, desto leichter funktioniert das. Denn desto größer ist die Spanne an freiem Geld, das man Monat für Monat investieren kann. In was man dieses Geld am besten steckt, darüber habe ich in meinem ersten Buch ausgiebig geschrieben. Je einfacher und klarer die Anlage, desto besser.
Aber auch wenn Alfred jetzt das Leben der Reichen und Schönen lebt, muss man sagen, dass der Preis dafür hoch war.
Seine fast 30 Jahre Selbstständigkeit mit 70 – Stunden – Wochen haben nämlich Ihren Tribut gezollt. In dieser Zeit hatte er zwei Schlaganfälle und stand einige Mal am Rande des Burnouts. Aber so ist das vielleicht. Wenig Dinge im Leben sind kostenlos.
Der versteckte vierte Weg, um nie mehr arbeiten zu müssen
Jeder der drei Wege hat seinen eigenen Charme. Gleichzeitig sind es aber auch alles Extreme. Aber wie wäre es, wenn es einen vierten Weg gäbe – eine Kombination aus den drei Extremen, der viel leichter zu gehen ist?
Wie wäre es, wenn wir hart arbeiten und uns unsere Welt nach unseren Vorstellungen bauen – am besten über ein eigenes Unternehmen? In einem Bereich, den wir für sinnvoll halten? Dort werden wir so gut, dass wir an der Mehrzahl der Abende zufrieden auf den Tag zurückblicken.
Dazu reduzieren wir unseren Konsum auf das Wesentliche – auf die Dinge, die uns wirklich Freude bringen. Statt Geld auszugeben, konzentrieren wir uns darauf unsere Einnahmen zu steigern. Monat für Monat wird damit der Betrag, den wir investieren können, größer. Gleichzeitig werden die wenigen Konsumausgaben, die wir bewusst tätigen, wertvoller.
Mit niedrigen Lebenskosten sinkt dann auch das Vermögen, das wir brauchen, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Durch die hohe Sparquote kommen wir deutlich schneller ans Ziel, da wir beständig mehr investieren können. Nach ein paar Jahren können wir den Großteil unserer privaten Ausgaben aus den Investmenterträgen decken und müssen nicht mehr arbeiten.
Aber vielleicht brauchen wir das am Ende des Tages gar nicht mehr, sondern es ist nur ein nettes Extra. Denn es könnte sein, dass uns unsere Arbeit dann so erfüllt, dass wir keinen Tag im Leben mehr arbeiten müssen.
Und wie passt hier Steuergestaltung und Steuerreduzierung dazu, fragst du dich vielleicht. Das ist doch ein Newsletter eines Steuerberaters.
Nun, Steuern sind eine Ausgabe. Und je geringer unsere Ausgaben, desto mehr bleibt von unseren Einnahmen an Geld übrig, das wir investieren können. Clevere Steuergestaltung kann dabei helfen viel schneller ein Vermögen aufzubauen, das für uns arbeitet, sodass wir es nicht mehr müssen.
Ich hoffe das bringt dich weiter.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Eric Preusche
PS:
Mich würde brennend interessieren, ob du mir zustimmst, oder nicht. Antworte mir doch gern per Mail. Ich würde mich freuen.
